Sparzwang: VHS wird das Angebot eindampfen

Änderung der Personalstruktur soll 700 000 Euro bis 2019 sparen. Zahl der Veranstaltungen sinkt in Halbjahr 2/2015 um 17 Prozent. Kritik kommt von der Linken. Änderungen ab 1. Juli in Kraft. Reformprogramm geht weiter.

Aachener Nachrichten, 27. Juni 2015, Seite 20

Matthias Fischer   (Foto: Andreas Schmitter/Aachen)Von Thomas Vogel

Aachen. Die Volkshochschule bekommt eine neue Struktur. Grund sind die finanziellen Risiken, die das Haus auf diese in den Griff zu bekommen will. Die Folgen sind etwa ein schrumpfendes Angebot. Die Anzahl von Kursen und Veranstaltungen wird im zweiten Halbjahr 2015 um 17 Prozent eingedampft. Auch die Personalstruktur wird sich verändern.

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Von vielen unterschiedlichen Bereichen bisher sollen künftig vier große Programmbereiche übrigbleiben: Allgemeine Weiterbildung, Berufliche Bildung, Sprachen und College/Grundbildungszentrum. Daneben gibt es noch einen Verwaltungsbereich. Durch die Strukturänderung fallen Stellen auf der Führungsebene weg. Rund 700 000 Euro sollen auf diese Weise bis 2019 eingespart werden. Die Mitarbeiter, die diese Stellen besetzen, gehen nach und nach in den Ruhestand, so Blüggel. Vier von ihnen noch in diesem Jahr, einer 2016, zwei 2017, drei 2018 und ebenfalls drei 2020. Die vier Mitarbeiter, die in diesem Jahr gehen, seien aber bereits ersetzt worden. Außerdem würde aus den Einsparungen heraus weiteres Personal eingestellt. Blüggel: „Aus Wenigen, die viel verdienen, werden viele, die weniger verdienen.“ Genauere Angaben machte die Leiterin nicht.

Außerdem sinkt die Zahl der geplanten Veranstaltungen. Im Bereich Beruf und Karriere wird ihre Zahl von 680 auf 470 (jeweils von 2014 bis 2016) sinken, in Geschichte und Zeitgeschehen von 130 auf 95, Kreativität von 300 auf 270 und die Zahl der Schulabschlusskurse sinkt von 40 auf 34. „Das ist schmerzlich. Es ist ein Einschnitt, es tut weh, aber es ist nötig.“

Viel Dank, viel Lob, hier und da garniert mit der Bitte, die Leistung nicht kaputtzureden, sondern das Positive zu sehen – so reagierten die Fraktionen im Betriebsausschuss Theater und VHS auf die Umstrukturierung der Volkshochschule. Kritik indes kam von Matthias Fischer (Linke). Durch die Zusammenlegung der Bereiche und der Personaleinsparung gebe es eine deutliche Arbeitsverdichtung bei den Mitarbeitern, und das wirke sich spürbar aus. Zum Beispiel durch den Wegfall von sechs Schulabschlusskursen. Fischer: „Dies bedeutet, dass mehr als 100 junge Menschen im kommenden Semester nicht mehr die Chance erhalten, bei der VHS einen besseren Schulabschluss zu machen.“ Die Einrichtung bekomme seit 25 Jahren jährlich circa vier Millionen Euro Zuschuss von der Stadt. Man kämpfe allerdings nicht darum, den Zuschuss zu erhöhen, sondern versuche, die finanziellen Untiefen mit Einsparungen zu umschiffen.