Südviertelpreise für 44 Wohncontainer

Auf der Suche nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gibt es jetzt Streit um ein Angebot aus Haaren

Aachener Nachrichten, 6. Mai 2015, Seite 15

In den vergangenen Jahren trennte man sich voreilig von ImmobilienVon Gerald Eimer

Aachen. Aus der Not der Flüchtlinge schlagen nicht nur dubiose Schlepper Kapital, auch Immobilienbesitzer wittern offenbar neue Chancen. Für die Stadt Aachen droht die Suche nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zugleich immer kostspieliger zu werden. Dies zeigt sich aktuell auch an der Diskussion um die Anmietung eines Grundstücks an der Hergelsbendenstraße in Haaren.

Dort hat ein privater Investor der Stadt sein Grundstück angeboten, auf dem 44 Wohncontainer mit Platz für bis zu 60 Menschen aufgestellt werden sollen. Kostenpunkt für die monatliche Kaltmiete: 19,55 Euro pro Quadratmeter bei einer Laufzeit von zehn Jahren. Es ist vor allem dieser Preis, der nahezu alle Politiker schwer schlucken lässt. Warum man dann nicht gleich im Aachener Süden oder in München Wohnungen anmiete, fragen sich Vertreter von FDP und Grünen, die zu den stärksten Kritikern der Anmietungspläne gehören.

Behandelt wird das Thema bislang freilich nur hinter verschlossenen Türen – zuletzt gestern im Finanzausschuss. Die endgültige Entscheidung wird der Rat am 20. Mai treffen, wobei der enorme Zeitdruck dem Haarener Investor in die Karten spielt. Denn allen Prognosen zufolge muss sich Aachen auf weiter steigende Flüchtlingszahlen gefasst machen und bis Ende September Wohnraum für insgesamt knapp 1500 Menschen bereithalten.

Noch muss dafür eine deutliche Lücke geschlossen werden. Gesucht werden vorrangig Grundstücke und Objekte in städtischem Besitz, wie Sozialamtsleiter Heinrich Emonts darlegt. Doch immer wieder erweisen sich Wohnungen als unbrauchbar oder die Sanierungen als zu teuer. Erwogen wird in der Not somit auch der Bau von Fertighäusern und eben jene Anmietung von Containern. Letzteres ist vor allem als Übergangslösung gedacht, um etwa die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen zu vermeiden.

In drei Monaten bezugsfertig

Zu den Containern an der Hergelsbendenstraße sieht Emonts aktuell kaum noch eine Alternative. Bereits in drei Monaten könnten sie bezugsfertig sein, verspricht der Investor. Bei der Stadt würde die Vorlaufzeit mindestens sieben Monate betragen, weil Ausschreibungsfristen eingehalten und die passenden Grundstücke erst aufwendig hergerichtet werden müssten. An der Hergelsbendenstraße sei hingegen lediglich der Abriss einer Halle erforderlich, eine Bodenplatte und die nötigen Anschlüsse seien vorhanden.

In der Politik fragt man sich dennoch, wieso etwa die Hochschule für ihre Studentencontainer lediglich einen Quadratmeterpreis von knapp 13 Euro kalkuliere. Auch Kita-Container seien deutlich preiswerter zu kriegen als die nun geplanten Container für Asylbewerber. „Da wollen sich offenbar einige eine goldene Nase verdienen“, mutmaßt man bei den Linken. Jetzt räche es sich, dass sich die Stadt vor Jahren voreilig von vielen Immobilien getrennt habe, die nun dringend benötigt und teuer zurückgemietet werden müssten, kritisieren sie.

Großes Bauchgrummeln gibt es aber auch innerhalb der CDU, zumal nicht wenige auch das Grundstück an der Hergelsbendenstraße für ungeeignet halten. Als vehementer Kritiker gilt nicht zuletzt der Haarener Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten. Das Grundstück sei zu eng, zu dicht an der Straße und biete zu wenig Freiraum. Dies könne sozialen Sprengstoff bergen, fürchtet auch die Haarener Bezirksvertretung, die sich klar gegen das Grundstück ausgesprochen und stattdessen Alternativen zwischen Germanus- und Alt-Haarener-Straße, an der Friedenstraße und am Alten Friedhof ins Gespräch gebracht hat.

Bis zur Ratssitzung sollen diese Vorschläge nun auf ihre Realisierbarkeit geprüft werden, wobei zumindest schon die SPD signalisiert hat, dass ihr im Zweifel ein schlechtes Containergrundstück in Haaren immer noch lieber sei als jede belegte Turnhalle. Aktuell hergerichtet wird für Flüchtlinge derzeit noch ein Bereich am Bushof, zudem soll das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Turpin­straße angemietet werden.

 

Das Bild stammt von David Smith und wurde unter der Creative-Commons-Lizenz „CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright“ lizenziert.