Alter Bekannter mit großer Liebe zur Stadt

Werner Wingenfeld kehrt als Planungsdezernent in die Aachener Verwaltung zurück. Der Stadtrat wird ihn am Mittwoch wählen.

Aachener Zeitung, 16. April 2015, Seite 15

Marc Beus   (Foto: Andreas Schmitter/Aachen)Von Oliver Schmetz

Aachen. Als seine Rückkehr nach Aachen gestern besiegelt und verkündet wurde, war Werner Wingenfeld nicht dabei. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber stand ein Pflichttermin auf dem Programm. Im Bonner Stadthaus tagte um 18 Uhr der Ausschuss für Planung, Verkehr und Denkmalschutz, da sollte ein Stadtbaurat nicht fehlen.

Voraussichtlich nach der Sommerpause wird Wingenfeld solche Termine in Aachen wahrnehmen. Dass er als neuer Planungsdezernent von der Bonner in die Aachener Verwaltungsspitze wechselt und damit die Nachfolge der Grünen Gisela Nacken antritt, ist beschlossene Sache. Nachdem sich die große Koalition aus CDU und SPD im Stadtrat intern auf die Top-Personalie geeinigt hatte, wurden gestern noch die Oppositionsfraktionen informiert. Die Wahl Wingenfelds im Stadtrat steht am kommenden Mittwoch auf dem Programm – und ist bloß Formsache.

Sein Büro in Aachen im siebten Stock des Verwaltungsgebäudes am Marschiertor und den schmucklosen Saal, in dem der Aachener Planungsausschuss berät, kennt der 61-jährige Verwaltungsfachmann allerdings schon. Denn der neue Beigeordnete ist ein alter Bekannter: Bis 2008 leitete er das hiesige Planungsamt, ehe er den Karrieresprung auf den Bonner Dezernentenposten vollzog.

Nun also wieder Aachen. Dass es so weit kommt, hätte auch zum Politikum geraten können. Denn unter den letzten drei Bewerbern im Auswahlverfahren befand sich auch der Wunschkandidat der Aachener SPD, Frank Meyer aus Wuppertal. Nach dem von der großen Koalition betriebenen Abschied Nackens hatten die Sozialdemokraten ein Auge auf den wichtigen Verwaltungsposten geworfen und sich eine „Wildcard“ in den Koalitionsvertrag schreiben lassen. Soll heißen: Ein SPD-Kandidat hatte zumindest einen Platz unter den letzten Drei sicher.

Offenbar musste diese „Wildcard“ aber nicht gezogen werden. Allen Bewerbern in der Endauswahl bescheinigten die Fraktionschefs Harald Baal (CDU) und Michael Servos (SPD) sehr hohe Kompetenz. „Wir hatten ein Luxusproblem“, erklärte Baal. Dass der von vielen in der CDU favorisierte Wingenfeld das Rennen gemacht hat, habe lediglich an Nuancen gelegen und die Koalition keineswegs belastet, beteuerte Servos: „Wir waren froh, so einen guten SPD-Kandidaten zu haben, aber wir haben nie gesagt, dass er es werden muss.“ Den Ausschlag für Wingenfeld hätten letztlich „seine große Liebe zur Stadt und seine Erfahrungen in Aachen“ gegeben. In die gleiche Kerbe schlug Baal, der dem Rückkehrer eine „gute Vernetzung in Verwaltung und Stadt“ und „hohe Kreativität bei der Lösung von städtebaulichen Problemen“ attestierte.

Auch die Opposition kann mit dem Neuen leben: „Gut zusammenarbeiten“ wollen die Grünen, so deren Sprecherin Ulla Griepentrog, auch wenn sie naturgemäß keinen Bedarf für eine Neubesetzung des Dezernats gesehen hätten. „Wichtige Impulse im Bereich des bezahlbaren Wohnungsbaus“ verspricht sich Marc Beus, planungspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke, von dem „überaus verwaltungserfahrenen Planungsdezernenten“. Und FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg ist von einer „fruchtbaren Zusammenarbeit“ überzeugt.

Werner Wingenfeld selbst war gestern nicht erreichbar. Sprechen wird er schon heute in Aachen – ab 19 Uhr als Gast der CDU-Mittelstandsvereinigung bei der Veranstaltung „Wein, Käse, Politik“ im Hit-Markt am Tivoli. Sozusagen ein erster Pflichttermin im neuen Job.