Aus Parksündern werden Umweltengel

Linke regt per Ratsantrag „Knöllchentausch“ an: Für den bezahlten Strafzettel soll es ein Tagesticket für den Bus geben

Aachener Nachrichten, 27. März 2015, S. 19.

StrafzettelVon Werner Breuer

Aachen. Über die Frage, wie man Autofahrer zum Umstieg in den Bus bewegen könnte, haben sich schon Heerscharen von Verkehrspolitikern die Köpfe zerbrochen. Eine originelle Idee steuert jetzt die Linken-Fraktion per Ratsantrag bei: Falschparker sollen ihr Knöllchen – nach Bezahlung – gegen ein Tagesticket der Aseag eintauschen können.

Durch die geschickte Verbindung von Zuckerbrot und Peitsche sollen Autofahrer darauf hingewiesen werden, dass solche Ärgernisse wie Strafzettel leicht vermeidbar sind. „Das wäre Ihnen mit uns nicht passiert“ lautet denn auch der sinnige Titel der Kampagne.

Ein Urheberrecht an dieser Idee reklamieren die Linken dabei nicht. Man sei „zufällig bei der Recherche“ auf das pfiffige Konzept der Stadt Fürth gestoßen, erklärt Fraktionsgeschäftsführerin Ellen Begolli. Wer nun glaubt, der „Zufall“ habe darin bestanden, dass ein Vertreter der Linken in Fürth falsch geparkt habe, sei eines Besseren belehrt. „Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, wie man den Nahverkehr attraktiver machen kann“, sagt Begolli.

Der Knöllchentausch sei da eine „tolle Idee, um Autofahrern die Vorzüge des öffentlichen Personennahverkehrs näherzubringen“, findet Andreas Müller, der verkehrspolitische Sprecher der Linken-Fraktion. Und seine Mitstreiterin Ellen Begolli sieht einen besonderen Reiz darin, dass die „Nachteile des Autofahrens“ wie etwa lange Staus, lästige Parkplatzsuche oder eben auch ärgerliche Strafzettel „aufgewogen werden gegen die Vorteile des öffentlichen Nahverkehrs“.

Das könne halt manchen Automobilisten ins Grübeln bringen. „Viele kommen ja gar nicht auf die Idee, dass man viel entspannter mit dem Bus in die Stadt fahren kann“, glaubt Begolli. Ein solcherart stressfreier Innenstadtbesuch trage auch zur Entspannung der dortigen Verkehrssituation bei, erklärt Andreas Müller.

So betrachtet würden Falschparker gewissermaßen ein gutes Werk vollbringen, indem sie als reuige Verkehrssünder fortan vom Auto in den Bus umsteigen. Andersherum könnten manche Zeitgenossen aber auch auf den Gedanken verfallen, den Knöllchentausch als preisgünstige Kombiticket-Variante zu nutzen: einmal frei falsch parken plus einen Tag lang Bus fahren zum Preis eines Verwarnungsgeldes. Doch auch daran hat die Linke gedacht. „Das billigste Knöllchen kostet zehn Euro, das billigste Tagesticket für eine Person 7,50 Euro“, erklärt Ellen Begolli. Der Fahrscheinerwerb über den Umweg des Verkehrsverstoßes wäre also teurer und auf Dauer unrentabel. Bei größeren Sünden sowieso: Wer so dreist parkt, dass der Abschlepper kommt, zahlt dafür schnell mehr als für ein ganzes Bündel Tagestickets.

Das kleine Knöllchen aber könnte nach Ansicht der Linken für einen Werbeeffekt brauchbar sein. Der soll der Aseag zugute kommen, aber nicht auf ihren Deckel gehen. „Die Verwaltung muss da ein Konzept entwickeln, wie der finanzielle Ausgleich gewährleistet werden kann“, sagt Begolli.

Es sollte die Sache wert sein, finden die Linken, schließlich profitiere davon auch die Umwelt. „Wollen wir der Luftverschmutzung in Aachen nachhaltig entgegentreten, müssen wir vor allem Anreize schaffen, den eigenen Wagen stehenzulassen“, meint Fraktionsvorsitzender Leo Deumens.

Ob dieses Argument auch bei den übrigen Ratsleuten verfängt, bleibt abzuwarten. Bei Ellen Begolli fließen da Optimismus und Pessimismus zu einem philosophisch-pragmatischen Realismus zusammen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“