Am geplanten Kirchenneubau gibt es nach wie vor große Kritik

Grüne und Linke halten den Standort an der Vaalser Straße für problematisch

Aachener Nachrichten, 28. Februar 2015, Seite 17

Marc Beus   (Foto: Andreas Schmitter/Aachen)Von Martina Stöhr

Aachen. Trotz aller Bedenken stimmte der Planungsausschuss jetzt einer Bebauung des Grundstücks südlich der Vaalser Straße zwischen Dorbach und westlicher Wohnbebauung zu. Dort plant die Evangelische Kirche Aachen einen neuen Kirchenbau mit angeschlossenem Gemeindezentrum. Das Problem dabei: Das angedachte Grundstück ist Ausgleichsfläche für die Erweiterung der Justizvollzugsanstalt in der Soers. Linke und Grüne halten das Gelände schon deshalb für wenig geeignet. Marc Beus (Linke): „Wir halten den Standort für problematisch. Eine Versiegelung weiterer Flächen im städtischen Bereich ist nicht zu vertreten.“ Das Grundstück habe als Kaltluftschneise einen hohen Wert, und ein Gebäude würde diese Funktion stören, so Beus. Zudem würde eine dortige Bebauung die Grenzen zwischen Kronenberg, Friedhof und Steppenberg aufheben.

Auch die Grünen können sich mit einer Bebauung des Grundstücks nach wie vor nicht anfreunden. Eine Ausgleichsfläche, die benannt wurde, um andernorts entstandenen ökologischen Schaden auszugleichen, nun ihrerseits zu bebauen, halten sie für nicht vertretbar.

„Außerdem ist das Grundstück wegen seiner peripheren Lage auch städtebaulich gar nicht geeignet“, sagte Ulrich Gaube (Grüne). Er verwies zudem auf den Landschaftskorridor entlang des Dorbachs, der seiner Meinung nach durch eine Bebauung des Grundstücks beeinträchtigt würde. Die Belange des Klimas und des Umweltschutzes seien wichtiger als eine Bebauung ausgerechnet an dieser Stelle, sagen die Grünen.

SPD und CDU dagegen teilen die vorgebrachten Bedenken nicht. Sie meinen, dass ohne weiteres eine Ausgleichsfläche für eine Ausgleichsfläche geschaffen werden kann. Außerdem habe man die Bebauungspläne den ökologischen Bedenken angepasst. „An Stelle der ursprünglich geplanten 5000 Quadratmeter sollen nur noch 3000 bebaut werden“, führte Norbert Plum (SPD) an. Statt der geplanten Wohnbebauung werde es also nur noch einen Sonderbau auf reduzierter Fläche geben. Auch die CDU hält diese Pläne für vertretbar, „auch wenn es etwas unglücklich ist, eine Ausgleichsfläche zum zweiten Mal zu verlegen“, so Alexander Gilson (CDU).

Das geplante Kirchengebäude soll ein kompakter Baukörper mit einem Kirchenschiff im östlichen Gebäudeteil und einem frei stehenden Glockenturm werden. Außerdem soll es Räume für ein Gemeindezentrum geben. Im westlichen Gebäudeteil sind zudem Büroräume und eine Wohnung für den Küster geplant.

In Frage gestellt

In diesem neuen Gemeindezen-trum Aachen-West sollen die beiden evangelischen Gemeindebezirke Arche und Dietrich-Bonhoeffer-Haus zusammengelegt werden. In einer öffentlichen Befragung zur geplanten Bebauung im März des vergangenen Jahres waren die ökologischen Bedenken der Bürger deutlich geworden.

Sie kritisierten die Inanspruchnahme der Ausgleichsfläche, fürchteten die Beeinträchtigung der Kaltluftschneise sowie die Zerstörung der Flora und Fauna. Außerdem stellten sie die Notwendigkeit einer neuen Kirche an sich in Frage.