Kein Geld übrig für Ausbau der Schulsozialarbeit

Eine von den Linken beantragte Bedarfsanalyse hält die Verwaltung für „nicht zielführend“. Koalition braucht die Mittel „an anderer Stelle dringender“.

Von Margot Gasper

Aachener Nachrichten, 11. November 2016

Georg Biesing   (Foto: Andreas Schmitter/Aachen)Aachen. Wer einen hat, will nicht mehr drauf verzichten. Der Schulsozialarbeiter – und die Schulsozialarbeiterin – ist aus den Kollegien vieler Schulen nicht mehr wegzudenken. Im laufenden Schuljahr 2016/17 gibt es an 35 Schulen quer durch alle Schulformen städtische Schulsozialarbeit. Dazu kommen noch Kräfte, die vom Land bezahlt werden. Dennoch: An 16 städtischen Grundschulen und sieben Gymnasien in Aachen gibt es auch heute noch keinen Schulsozialarbeiter.

Diese Zahlen hat die Verwaltung für die nächste Sitzung der städtischen Schul- und Jugendpolitiker (Donnerstag, 17. November, ab 17 Uhr im Rathaus) zusammengetragen. Der Hintergrund: Die Fraktion der Linken im Rat hatte beantragt, die Verwaltung mit einer aktuellen Bedarfsanalyse zur Schulsozialarbeit zu beauftragen. Besonders in den Blick nehmen sollte man dabei, so beantragten Leo Deumens und Georg Biesing, jene Schulen, die unter schwierigen Rahmenbedingungen arbeiten.

Eine Bedarfsanalyse an den Aachener Schulen hatte es zuletzt 2011 gegeben. Damals wurden Bundesmittel bereitgestellt, die der Stadt 18 Vollzeitstellen in der Schulsozialarbeit bescherten.

Die Verwaltung kommt in ihrer Vorlage zu dem Schluss: Eine erneute Bedarfsanfrage und -analyse sei aus Sicht des Fachbereichs „zum aktuellen Zeitpunkt nicht zielführend“. Denn: „Um den angezeigten Wünschen und Bedarfen der Aachener Schulen bezüglich Schulsozialarbeit umfassend begegnen zu können, wäre eine personelle und finanzielle Ausweitung erforderlich, die jedoch im Hinblick auf die Haushaltslage nicht geboten scheint.“ Also: Es ist eh kein Geld da, folglich muss man gar nicht erst nachfragen.

Nicht ganz so zugespitzt formuliert ist das auch die Haltung in der schwarz-roten Ratsmehrheit. „Im Moment brauchen wir keine neue Bedarfsanalyse“, erklärt Bernd Krott (SPD). In der Schulsozialarbeit habe man wichtige Fortschritte erzielt. Im Dezember 2015 seien 18 Vollzeitstellen „entfristet“ worden. „Da haben die Schulen jetzt Planungssicherheit.“ Zudem habe Düsseldorf signalisiert, dass die Mittel für die vom Land finanzierten Stellen über das Schuljahr 2017/18 hinaus fließen sollen.

Ein „bedarfsorientierter Einsatz“ von Schulsozialarbeitern sei auch ohne umfassende Analyse möglich, sagt Krott. „Von Seiten des Jugendamts hat man uns versichert, dass Schulsozialarbeiter flexibel eingesetzt werden, wenn irgendwo akut Bedarf entsteht.“ Die Verwaltung verweist in ihrer Vorlage darauf, dass für eine befristete Zeit auch die Wochenarbeitsstunden einzelner Fachkräfte erhöht werden können. „Schüler werden abgehängt“

Krott betont zudem, dass die Schulsozialarbeiterstellen von mittlerweile geschlossenen Schulen nicht verloren gehen. „Kronenberg, Barbarastraße, Beginenstraße, die Stellen lassen wir alle im System.“ Mehr aber, ist Krott überzeugt, sei derzeit nicht drin. „Im Moment brauchen wir das Geld an anderer Stelle dringender.“

Peter Tillmanns (CDU) formuliert das ähnlich. „Was soll man eine Analyse machen, wenn man die Erwartungen, die geweckt werden, dann doch nicht erfüllen kann?“ Ohne Moos, sagt Tillmanns, sein nun mal „nix los“.

Die Linken dagegen finden, dass schleunigst Perspektiven entwickelt werden müssen, wie man mehr Sozialarbeit in die Schulen bringt. Der von der Verwaltung vorgeschlagene Kurs treffe besonders jene Schüler, die bisher keine Schulsozialarbeit haben. „Hier werden Schüler abgehängt“, befürchtet Georg Biesing. „Jeder Euro, der in Bildung und Erziehung eingespart wird, muss an anderer Stelle doppelt ausgegeben werden.“