„Forderungspaket zurück an den Absender!“

Solidaritätsrede von Ellen Begolli bei der Kundgebung der streikenden Postmitarbeiter*innen

Aachen, 2. Juli 2015

Ellen Begolli bei der KundgebungLiebe Kolleginnen und Kollegen,

während es früher bei den meisten Arbeitskämpfen um Tariferhöhungen ging, geht es heute zunehmend darum, Erkämpftes zu verteidigen und Auslagerungen zu wesentlich schlechteren Bedingungen in Privat- oder Tochterfirmen zu verhindern. Und genau darum geht es auch in eurem Kampf, den ihr nun bereits seit über drei Wochen führt.

  • Um den Gewinn weiter zu erhöhen, ist der Deutschen Post offenbar mittlerweile fast jedes Mittel recht:
  • Sie begeht Tarifflucht setzt Beamte und Leiharbeiter als Streikbrecher ein.
  • Sie nutzt die Möglichkeit der Befristung gezielt als Erpressungspotenzial
  • und bricht nun auch noch den Sonntagsschutz.

So handelt niemand, der ernsthaft an einer Lösung des Tarifkonflikts interessiert ist! Und so handelt erst recht kein Konzern, der fast drei Milliarden Euro Gewinn macht und seinen Aktionären in den kommenden Jahren die Verdopplung der Dividenden in Aussicht gestellt hat!

Das ist ein Skandal und eines Unternehmens unwürdig, bei dem die öffentliche Hand Anteilseigner ist! Es ist also auch die politische Mehrheit in Berlin, die solche unsozialen Entscheidungen mitträgt!

Wer aber hat die Milliarden Gewinne erarbeitet, wenn nicht ihr?

Durch wen können sich die Aktionäre ihre Taschen füllen, wenn nicht durch euch?

Und der Dank dafür?

Ja… - zum Dank werden nun auf eurem Rücken die Arbeitsbedingungen verschlechtert!

Ihr spielt da nicht mehr mit und verweigert die Annahme dieses unverschämten Forderungspakets. Sendet es quasi mit eurem Streik zurück an den Absender und das völlig zu Recht!

Und – auch das muss an dieser Stelle einmal ganz deutlich gesagt werden: euer Arbeitskampf ist ein Kampf für uns alle!

Was heute die Paketzustellung betrifft, kann morgen die Briefzentren betreffen und hat übermorgen „Vorbildcharakter“ für weitere Unternehmen in unserem Land. Darum ist nicht nur die Solidarität aller Beschäftigten der Deutschen Post von zentraler Bedeutung; wünschenswert wäre auch, wenn die Bürgerinnen und Bürger die Annahme von Paketen so lange verweigern, bis eure Forderung erfüllt ist, die „DHL Delivery“ in den Haustarif des Mutterkonzerns zurückzuführen.

Ihr setzt ein starkes Zeichen. Zusammen zeigt ihr, dass man sich zur Wehr setzen kann – indem Ihr für gute Arbeit streikt!

Ihr habt unsere uneingeschränkte Solidarität bei eurem Arbeitskampf und ich darf euch stellvertretend für meine Partei DIE LINKE viel Kraft, Mut, Phantasie und einen langen Atem in dieser Auseinandersetzung wünschen.

Weitere Photos

Streikende Postmitarbeiterinnen und -mitarbeiter  Ellen Begolli im Gespräch mit einer Streikenden Ellen Begolli (r.) und Leo Deumens (m.) bei der Kundgebung